Die Seniorenvertretung Haren lud zu einer hochinteressanten Informationsfahrt ein, der 15 Mitglieder folgten. Ziel war der Campus Ludmillenstift in Meppen. Den Begriff „Campus“ haben wir bislang vor allem mit Universität und Studium verbunden – aber jetzt ein Campus am Ludmillenstift? Voller Neugier traten wir die Fahrt an.
Nach Kaffee und Kuchen zur Begrüßung erhielten wir zunächst einen Überblick über die Entwicklung und die vielfältigen Aufgaben des Campus Ludmillenstift.
Begonnen hatte alles 1958 mit der Gründung der Krankenpflegeschule am Ludmillenstift Meppen. Zehn Jahre später kam eine Kinderkrankenpflegeschule hinzu. Im Jahr 2000 übernahm das Ludmillenstift die Physiotherapieschule von Herrn Gehrmann.
Das Ausbildungsteam besteht zurzeit aus 22 Personen. Dazu gehören Absolventen aus Pflege und Physiotherapie, aber auch Notfallsanitäter und Heilerziehungspfleger. Eine pädagogische Qualifikation ist erwünscht. Hauptaufgabe ist der Unterricht an der Schule. Hinzu kommen Kursleitungen, Praxisbegleitung, Weiterbildungen und weitere Aufgaben.
Das Ausbildungsangebot ist umfassend:
- dreijährige Ausbildung in Pflege und Physiotherapie,
- vierjährige duale Ausbildung in der Pflege, verbunden mit einem wissenschaftlichen Hochschulstudium und akademischem Abschluss,
- duales Studium der Physiotherapie, Motologie und Ergotherapie,
- Weiterbildung zur Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege,
- Praxisanleiterkurse,
- Fort- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen.
Die Zahl der Absolventen bzw. Teilnehmer ist beachtlich. Jährlich sind es etwa 50 Pflegekräfte, zehn Pflegekräfte mit akademischem Abschluss, 25 Physiotherapeuten, zehn Physiotherapeuten mit akademischem Abschluss sowie 120 bis 150 Teilnehmer an Refresherkursen für Praxisanleiter. Hinzu kommen alle zwei Jahre 20 Fachkräfte für Intensiv- und Anästhesiepflege.
Zunehmend treffen auch Anfragen aus dem Ausland ein, vorwiegend aus Kenia. Voraussetzung für die Aufnahme sind unter anderem ein erfolgreicher B2-Abschluss in deutscher Sprache, ein Mindestalter von 20 Jahren und ein Schulabschluss, der dem deutschen Realschulabschluss entspricht. Außerdem sollen die Bewerber ledig und ohne Kinder sein. Nach den Erfahrungen der Ausbilder soll damit das Risiko zusätzlichen Heimwehs durch die Trennung von der eigenen Familie möglichst gering gehalten werden. Heimweh stellt für viele Auszubildende aus dem Ausland ohnehin eine besondere Belastung dar. Ihre Betreuung erfordert daher viel Aufmerksamkeit und Unterstützung. Zurzeit sind acht Personen aus Kenia eingeschrieben.
Nach dieser Einführung wurden wir durch das Gebäude geführt. Großzügige und helle Räume sorgen für eine angenehme Lernatmosphäre. Alle Unterrichtsräume sind multimedial auf dem neuesten Stand ausgestattet.
In einem Raum befanden sich zahlreiche Therapieliegen für die Ausbildung der Physiotherapeuten. In einem anderen dienten Krankenbetten, zum Teil mit Übungspuppen, der Ausbildung von Pflegekräften. Besonders eindrucksvoll war eine Puppe, an der zahlreiche pflegerische Maßnahmen geübt werden können. Hier kommen auch die Praxisanleiter zum Einsatz. Sie zeigen den Lernenden beispielsweise das Verabreichen von Injektionen, das Anlegen von Infusionen und Verbänden und vieles mehr. Anschließend können die Handgriffe geübt werden, ohne einen Patienten zu gefährden. Auf diese Weise wird die Verbindung zwischen Theorie und Praxis hergestellt.
Ein kleines Highlight unseres Besuches war die Demonstration einer Puppe, die in Form, Gewicht und Beweglichkeit einem Neugeborenen ähnelt. An ihr werden unter anderem das richtige Tragen eines Säuglings und das Wickeln geübt. Als sie bei uns von Hand zu Hand gereicht wurde, wurden bei manchem großelterliche Erinnerungen wach.
Auch großzügige Gemeinschafts-, Ruhe- und Computerräume stehen den Lernenden zur Verfügung.
Mit besonderem Stolz wurde uns das derzeit entstehende Skills-Lab gezeigt. Hier entsteht ein Trainingsbereich, in dem spezielle Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt, praktisch geübt und mithilfe von Videoaufzeichnungen überprüft werden können.
Beeindruckt von der Vielfalt des Ausbildungsangebotes und den modernen, hellen Ausbildungsräumen mit ihrer umfangreichen technischen Ausstattung traten wir den Heimweg an. Mancher von uns hätte sich wohl gewünscht, selbst eine so praxisbezogene und zugleich achtsame Ausbildung erlebt zu haben.
Mit einem herzlichen Dank an Ulla Beckermann für die Organisation dieser interessanten Informationsfahrt verabschiedeten wir uns voneinander.
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