Wie sieht der Alltag hinter Gefängnismauern aus? Wie leben und arbeiten die Gefangenen? Und welche Aufgaben haben die Menschen, die dort beschäftigt sind? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielten 41 Mitglieder der Seniorenvertretung Haren bei zwei Besuchen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Meppen am 12. und 19. Oktober 2026. Aufgrund des großen Interesses waren zwei Termine mit jeweils 20 und 21 Teilnehmern organisiert worden.

Schon beim Betreten des Geländes wurde deutlich, dass hier besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten. Doppelte Sicherheitszäune umgeben die Anstalt, der Zugang erfolgt über ein zentrales Eingangstor. Was sich hinter diesen Zäunen abspielt, war für die meisten Teilnehmer bislang weitgehend unbekannt.

Von den Strafgefangenenlagern zur modernen Justizvollzugsanstalt

Die Geschichte der heutigen JVA Meppen reicht bis in die Jahre 1938/39 zurück, als in der Region Strafgefangenenlager eingerichtet wurden. Seit dem 1. Januar 1982 besteht die JVA Meppen als selbstständige Justizvollzugsanstalt.

Heute verfügt die Anstalt über 427 Haftplätze. Die Gefangenen stammen aus bis zu 30 verschiedenen Nationen. Es handelt sich ausschließlich um Männer, deren Alter vom 25. Lebensjahr bis ins hohe Seniorenalter reicht.

Die Aufnahme eines Gefangenen ist weit mehr als eine Registrierung. In ausführlichen Gesprächen werden seine persönlichen Lebensumstände erfasst. Dabei geht es unter anderem um Schulbildung, berufliche Erfahrungen, familiäre Verpflichtungen sowie mögliche Drogen- oder Gewaltprobleme. Diese Informationen bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Betreuung und die Gestaltung des Strafvollzugs.

Leben auf wenigen Quadratmetern

Die Unterbringung erfolgt überwiegend in Einzelhafträumen. Diese sind zweckmäßig und eher karg eingerichtet. Zur Ausstattung gehören ein Bett, einfache Möbel, eine eigene Nasszelle, ein Fernsehgerät und eine Bilderleiste, an der persönliche Fotos angebracht werden können.

Daneben gibt es Doppelhafträume. Eine gemeinsame Unterbringung kann auf Wunsch der Gefangenen erfolgen oder aus gesundheitlichen Gründen sinnvoll sein, beispielsweise wenn bei einem Gefangenen die Gefahr eines Krampfanfalls besteht.

Der Tagesablauf ist streng geregelt. Um 6 Uhr beginnt der Tag. Von 7 Uhr bis 15.30 Uhr ist Arbeitszeit, unterbrochen von einer Mittagspause zwischen 11.30 und 12 Uhr. Zwischen 16 und 17 Uhr steht Freizeit zur Verfügung. Bereits um 19 Uhr beginnt die Nachtruhe.

Für Menschen, die es gewohnt sind, ihren Tagesablauf selbst zu bestimmen, ist diese strenge zeitliche Ordnung nur schwer vorstellbar.

Arbeit und Ausbildung als Vorbereitung auf die Freiheit

Ein wichtiger Bestandteil des Strafvollzugs ist die Vorbereitung auf ein Leben nach der Haft. Dazu gehören Arbeit, schulische Bildung und berufliche Qualifizierung.

Gefangene können Schulabschlüsse bis zum Realschulabschluss erwerben. Darüber hinaus werden Ausbildungen in verschiedenen Handwerksberufen angeboten, beispielsweise in der Metall- und Holzbearbeitung sowie in Küche und Gastronomie.

Weitere Möglichkeiten bestehen durch Einstiegsqualifizierungen im Garten- und Landschaftsbau, in der Lagerlogistik sowie in der Glas- und Gebäudereinigung.

Die Arbeit dient damit nicht nur der Beschäftigung während der Haftzeit. Sie soll Fähigkeiten vermitteln, Selbstvertrauen stärken und die Chancen auf eine geregelte berufliche Zukunft verbessern. Denn eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft ist letztlich auch ein Beitrag zur Vermeidung neuer Straftaten.

Drogen und unerlaubte Gegenstände – eine ständige Herausforderung

Eine besonders schwierige Aufgabe ist es, den unerlaubten Kontakt zur Außenwelt und das Einschleusen verbotener Gegenstände zu verhindern.

Dazu zählen neben Waffen und Werkzeugen auch Smartphones, Smartwatches, Bargeld, bestimmte Lebens- und Genussmittel sowie gefährliche Substanzen.

Ein großes Problem stellen Drogen dar. Besonders hervorgehoben wurde die synthetische Droge „Spice“. Sie kann auf Papier oder andere Materialien aufgebracht werden und ist nur schwer zu erkennen.

Deshalb werden eingehende Briefe grundsätzlich eingescannt. Die Gefangenen erhalten die gescannten Schreiben, während die Originale aufbewahrt und ihnen bei der Entlassung ausgehändigt werden.

Auch Gegenstände, die von außen über die Sicherheitszäune geworfen werden, stellen ein Risiko dar. Die Kontrolle der Verbindungen zur Außenwelt gehört deshalb zu den ständigen Herausforderungen des Anstaltsbetriebs.

Medizinische Versorgung, Sport und Seelsorge

Zum Alltag der JVA gehört weit mehr als die Unterbringung in Hafträumen. Die Anstalt verfügt über Behandlungsräume für den medizinischen und sozialen Dienst, eine Krankenstation, eine Wäscherei, eine Näherei, eine Küche, eine Kapelle und verschiedene Sportmöglichkeiten.

Sport spielt eine wichtige Rolle. Angeboten werden unter anderem Fitness, Fußball, Futsal, Leichtathletik und Hallensport. Auch die Teilnahme an Sportabzeichen und Turnieren ist möglich.

Eine besondere Bedeutung kommt der Seelsorge zu. Ein evangelischer und ein katholischer Geistlicher betreuen die Gefangenen. An den Gottesdiensten nehmen jeweils etwa 20 bis 30 Männer teil, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Die Geistlichen stehen allen Gefangenen als Gesprächspartner zur Verfügung.

Zu den ungewöhnlicheren Beschäftigungsangeboten gehört ein Imkerkurs. Auch solche Aktivitäten können dazu beitragen, Verantwortung, Geduld und einen sinnvollen Umgang mit der Zeit zu fördern.

Kontakt zur Familie – ein Stück Normalität bewahren

Die Trennung von Angehörigen ist für viele Gefangene eine große Belastung. Deshalb wird versucht, familiäre und soziale Bindungen während der Haft aufrechtzuerhalten.

Neben den regulären Besuchen in Besucherräumen gibt es unter bestimmten Voraussetzungen auch unbeaufsichtigte Besuchsmöglichkeiten. Besondere Familientage und Vater-Kind-Tage sollen helfen, den Kontakt zwischen Gefangenen und ihren Kindern zu erhalten. Auch Videotelefonie wird angeboten.

Selbstverständlich unterliegen Besuche strengen Sicherheitsregeln. Besucher und Gefangene müssen sich Kontrollen unterziehen, bei denen unter anderem Körperscanner eingesetzt werden. Für mitgebrachte Gegenstände und Geld gelten besondere Vorschriften.

Wichtig ist auch das Engagement ehrenamtlicher Gruppen, beispielsweise aus dem Umfeld von SKM und SKF. Sie bieten Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und unter anderem Kochgruppen an. Damit tragen sie dazu bei, dass die Verbindung zur Gesellschaft nicht vollständig abreißt.

Vom geschlossenen zum offenen Vollzug

Während des Besuchs erhielten die Teilnehmer auch einen Überblick über das deutsche Strafvollzugssystem.

Dabei wurde zwischen dem Jugendstrafvollzug und dem Strafvollzug für Erwachsene unterschieden. Jugendliche sind in Deutschland bereits ab dem 14. Lebensjahr strafmündig. Für sie bestehen besondere Einrichtungen, beispielsweise Jugendarrestanstalten in Verden, Emden und Göttingen sowie die Jugendanstalt Hameln.

Für erwachsene Gefangene gibt es in Niedersachsen verschiedene Justizvollzugsanstalten, darunter Meppen, Lingen und Oldenburg. In Vechta befindet sich eine Justizvollzugsanstalt für Frauen.

Interessant waren die Erläuterungen zum offenen Vollzug, der in Meppen am Baumschulenweg angeboten wird. Voraussetzung dafür ist, dass ein Gefangener als zuverlässig eingeschätzt wird. Unter bestimmten Bedingungen kann er außerhalb der Anstalt einer geregelten Arbeit nachgehen. Er muss jedoch zu den vorgeschriebenen Zeiten zurückkehren.

Ein Teil des während der Haft verdienten Geldes wird für die Zeit nach der Entlassung zurückgelegt. Dieses sogenannte Überbrückungsgeld soll den Start in ein selbstständiges Leben erleichtern.

Auch die Bedeutung einer lebenslangen Freiheitsstrafe wurde erläutert. Lebenslang bedeutet grundsätzlich eine zeitlich unbefristete Freiheitsstrafe. Nach 15 Jahren kann unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen eine vorzeitige Entlassung geprüft werden. Ein automatischer Anspruch auf Entlassung besteht jedoch nicht.

Davon zu unterscheiden ist die Sicherungsverwahrung. Sie kann sich an eine verbüßte Freiheitsstrafe anschließen, wenn von einem Täter weiterhin eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Ihre Fortdauer unterliegt regelmäßigen gerichtlichen Überprüfungen.

Die JVA als Arbeitgeber

Eine Justizvollzugsanstalt ist zugleich ein großer und vielseitiger Arbeitsplatz. Neben dem allgemeinen Vollzugsdienst sind dort Mitarbeiter aus Verwaltung, Medizin, Psychologie, Pädagogik und Sozialarbeit tätig.

Nach den vorgestellten Zahlen beschäftigt die JVA Meppen 225 Beamte, 19 Angestellte und 17 Anwärter. Allein im allgemeinen Vollzugsdienst sind 196 Personen tätig. Hinzu kommen unter anderem sechs Psychologen und zwölf Mitarbeiter im Sozialdienst sowie Beschäftigte in Leitungs- und Fachfunktionen.

Die Bediensteten müssen sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Sie haben für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, sind aber zugleich Ansprechpartner für die Gefangenen und begleiten deren Entwicklung während der Haft.

Da im Strafvollzug hoheitliche Aufgaben wahrgenommen werden und damit Eingriffe in Grundrechte verbunden sind, kommt dem Beamtenstatus eine besondere Bedeutung zu.

Bemerkenswert war auch die Aussage, dass sich der Einsatz von Frauen im Männervollzug bewährt hat. Ihre häufig andere Art der Ansprache kann sich positiv auf den Umgang mit den Gefangenen auswirken.

Für den Nachwuchs bestehen eigene Ausbildungsmöglichkeiten, unter anderem im Justizvollzugsdienst sowie über ein duales Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst.

Ein Besuch, der nachdenklich macht

Die beiden Besuche vermittelten den Teilnehmern einen Einblick in eine Welt, die der Öffentlichkeit normalerweise verschlossen bleibt.

Dabei wurde deutlich, dass der Strafvollzug zwei wesentliche Aufgaben miteinander verbinden muss: Einerseits dient er dem Schutz der Allgemeinheit und der Durchsetzung rechtskräftiger Strafen. Andererseits soll er die Gefangenen befähigen, nach ihrer Entlassung ein Leben ohne neue Straftaten zu führen.

Gerade diese Verbindung von Sicherheit, Betreuung, Bildung und Resozialisierung machte den Besuch besonders interessant.

Im Anschluss an die Besichtigungen trafen sich die Teilnehmer jeweils bei Schäfer zu Kaffee und Kuchen. Dort bestand Gelegenheit, die vielen neuen Eindrücke auszutauschen und über das Erlebte zu diskutieren.

Die Seniorenvertretung Haren bedankt sich herzlich bei den Verantwortlichen und Mitarbeitern der JVA Meppen für die informativen Führungen, die offenen Erläuterungen und die Beantwortung der zahlreichen Fragen. Ein besonderer Dank gilt Agnes Hasch, die beide Besichtigungstermine organisiert und damit 41 Mitgliedern diesen außergewöhnlichen Einblick ermöglicht hat.