Wer kennt ihn nicht, den „Dom des Emslandes“, wie die Pfarrkirche St. Martinus in Haren gern genannt wird? An einer Führung durch den Dom mit sachkundigen Erläuterungen aber hatten wohl die Wenigsten teilgenommen. So war das Interesse der Senioren erfreulich groß, als die Seniorenvertretung zu Führungen durch den Dom eingeladen hatte. Daher mussten sofort zwei Termine mit jeweils zwei Gruppen eingesetzt werden, damit der Wissensdurst der Senioren gestillt werden konnte.
Mit sachkundigen Erläuterungen durch Rita Veltrup und Hermann Held erfuhren die Senioren viele Details über die Harener Kirche. Ein geschichtlicher Rückblick über die Entstehungsgeschichte durfte bei der Führung nicht fehlen. So erfuhren die Senioren, dass die jetzige Kirche die Vorgängerkirche aus dem Jahre 1854 ersetzte, da diese zu klein war und wegen des Untergrundes erhebliche Schäden aufwies. Daher begann der Kirchenvorstand bereits nach gut 30 Jahren über einen Umbau oder Neubau nachzudenken. Der sehr rührige Pastor Friedrich Sandkühler forcierte die ersten Pläne. Schließlich einigte man sich auf den Plan der Architekten Becker aus Mainz und Sunder-Plassmann aus Münster, die einen Umbau der Kirche und einige alte Elemente verwenden wollten. Die veranschlagten Kosten in Höhe von 220.000,00 Goldmark konnte die Gemeinde nur tragen, weil sich zwei aus Haren stammende Kaufleute, die Gebrüder Esders aus Paris und Wien, bereiterklärten, 100.000,00 Goldmark für den Umbau zu spenden. Diese hatten in einigen Städten in Europa erfolgreich Kaufhäuser errichtet. Sie hatten gelobt, dass sie eine größere Summe für caritative Zwecke spenden würden, wenn sie die Goldhochzeit ihrer Eltern erleben würden. Diese fand am 8. Januar 1900 in Haren statt.
Beim Bau der Kirche wurde der Zustand des Untergrundes berücksichtigt und eine neuartige Eisenkonstruktion verwendet, die weniger Druck auf die Fundamente verursachte. An Hand eindrucksvoller alter Bilder konnten sich die Besucher von dieser Bauart überzeugen. Die Gemälde im Innenraum stammen fast ausschließlich von dem Kirchenmaler Gerhard Lamers aus Münster. Das Gemälde des Hochaltars mit dem auferstandenen Jesus und den ihn umgebenden Engeln und Heiligen fand großes Interesse bei den Senioren. Auch die anderen Gemälde stammen von G. Lamers, so z.B. die beiden Seitenaltäre, die Symbole der sieben Sakramente und der vier Evangelisten in den Zwickeln der Kuppel. Im Kirchenschiff oberhalb der Fenster schuf Lamers die Symbole die vierzehn Nothelfer. Der Hochaltar, aus weißlichem Marmor und Granit hergestellt, ist ein Werk des aus Herßum stammenden Bildhauer Lukas Memken und ist im süddeutschen Barock hergestellt. Der romanische Taufbrunnen, geschaffen um ca. 1200, ist das älteste und kostbarste Ausstattungsstück der Kirche. Besonders erwähnenswert sind die wertvollen Glasmalereien in den Fenstern. Diese stammen aus der Glasmalerei Josef Menke in Goch am Niederrhein, dessen Vorfahren aus Haren kamen. Im Längsschiff sind Stationen aus dem Leben des hl. Martinus, des Schutzpatrons der Kirche, dargestellt. Im erhaltenen Kirchturm hängen drei Glocken, die zu den ältesten Glocken des Emslandes zählen: die Marienglocke stammt aus dem Jahre 1517 und die größere Martinusglocke aus dem Jahr 1650. Auch der Beschuss der Kirche am Ende 2. Weltkrieges und der mutige Einsatz der Schwester Kunigunde wie auch der Kuppelbrand im Jahr 1965 und das Aufsetzen einer neuen Turmspitze 1992/1993 fanden großes Interesse. Bei Kaffee und Kuchen und netten Gesprächen im Domcafé wurde ein interessanter Nachmittag abgeschlossen.