Print
Category: Oma und Opa
Hits: 698
Star InactiveStar InactiveStar InactiveStar InactiveStar Inactive
 

20180105Sehnsucht KopieGerne denke ich an die Zeit zurück, als ich 7Jahre war. Ich durfte das erste Mal allein mit dem Zug zur Omi in die damalige DDR fahren!!! Ich wusste mich vor Freude kaum zu halten, als der kleine Koffer gepackt wurde!! Ich war so glücklich,

wollte nur weg von zu Hause weg, weg von der bösen Stiefmutter!!! Endlich war der Tag da. Ab zum Bahnhof. Dort bekam ich ein Schild umgehängt mit meinem Namen und dann hieß es,EINSTEIGEN... Ein netter Schaffner brachte mich zu einem Fensterplatz, da konnte ich schön schauen. Es gab ja so viel zu gucken. Die Felder, Bäche, Wälder, ach, war das aufregend!!!! Es war eine lange Reise. Ich hatte Brote dabei und eine Dame gab mir eine Apfelsine. Als ich reinbeißen wollte, lachte sie: „Du musst sie doch erst abpellen!“ Das tat sie dann für mich. Hm, war das lecker! Dass war meine erste Apfelsine!!! Auf einmal fuhr der Zug sehr langsam und blieb dann stehen! Draußen auf den Gleisen standen ganz viele Soldaten mit Gewehren und ich bekam große Angst und fing an zu weinen. Alle trösteten mich und da kam auch der Schaffner und setzte sich zu mir! Viele Leute mussten aussteigen, Dann fuhren wir weiter und mein Herz klopfte noch immer!! Endlich waren wir da, juchhu!!! Der Schaffner nahm meinen Koffer, mich an die Hand, und dann sah ich sie.....meine über alles geliebte OMI. Ich schrie über den Bahnsteig....Omi, Omi und ich weinte vor Freude!! Sie drückte mich und sagte voller Freude: „Mein Häschen.“ (Das höre ich noch heute in meinem Kopf.) Dann ging‘s nachhause, wo die liebe Großi wartete, die mich gar nicht loslassen wollte. Der Tisch war schon gedeckt und ich bekam die leckersten Brote, heiße Milch mit Honig. Ich war im Schlaraffenland!!! Ich schlief wie ein Bär, hörte das Ende der Geschichte nicht mehr, die Großi mir vorlas!!! Am nächsten Morgen warme Brötchen mit richtiger Butter, damit ich groß und stark werde. Danach gingen wir zur Omi in die Klinik, sie arbeitete dort bei dem Chefarzt!! Alle begrüßten mich. Ich wurde gewogen, gemessen und geröntgt!! Später ging Großi mit mir einkaufen. Sie sagte, ich bräuchte unbedingt bessere Sachen, ich sähe nicht aus, wie ein Kind aus dem Westen!!! Ich bekam alles nagelneue Sachen: Schuhe, Röcke, Blusen, einfach alles!!! Ich fragte, ob denn Weihnachten sei. Da lachten die beiden Omis glücklich und drückten mich ganz fest. Jeden Abend lasen sie mir abwechselnd Geschichten vor, Ich fühlte mich so glücklich. Ich wollte niemals wieder weg!!! Jeden Tag unternahmen wir tolle Sachen, gingen in den Schlosspark, auf den großen Spielplatz, wo ich dann eine liebe Freundin fand. Es war schön. Sie wohnte genau gegenüber und.so waren wir oft zusammen!! Manchmal saßen wir auf dem Bürgersteig am Bordstein und malten mit Braunkohlestückchen. Das war lustig!! Nur wenn meine Omi in Sicht kam, ließ ich alles stehen und liegen und rannte wie der Blitz los.....“Omi!“ Sie musste aufpassen, dass sie nicht umfiel. Über allem Schönen, der großen Liebe, die mir gezeigt wurde, vergaß ich, dass 6Wochen irgendwann vorüber sind. An dem Tag, als sie es mir sagen mussten, fuhren wir mit dem Dampfer die Saale entlang. Das war toll!! Ich erinnere mich an die vielen großen schönen Schlösser. Es gab auch Kakao und Kuchen, Es war wunderbar!!! Zu Hause hieß es dann, dass ich wieder nach Hause müsse, Der Koffer sei schon gepackt!!! Das hättet ihr hören müssen, wie laut ich geweint und geschrien habe!!!! Selbst Omi und Großi liefen die Tränen. Den Abend schlief ich bei Omi im Arm ein!! Am nächsten Morgen, ganz früh fuhren wir zum Bahnhof und es dauerte nicht lange, da kam der Zug schon!! Sie wollten mich in den Zug setzen, aber ich klammerte mich so sehr an Beide u schrie so laut, dass ich nicht wegwolle!! Alle Leute guckten, was los sei und Omi versprach mir, dass sie zu uns komme und dass ich doch nächstes Jahr wiederkommen dürfe!! Der Schaffner riss mich dann von Omi los, nahm mich auf den Arm und brachte mich ins Abteil. Ich weinte noch lange und hörte Omis Stimme: „Mein Häschen, wir haben dich so sehr lieb!“ Daran denke ich ganz oft. Ich liebte die Zwei mehr als alles auf der Welt!!! Und noch heute sind die Tränen nahe, wenn meine Gedanken zurückblicken!!! Das war die schönste Zeit in meinem Leben.